Klag nicht, ich kann dich nicht erhören,
Mich schreckt die Glut, die ich entfacht;
Ich wollte dich nicht so bethören,
Als ich getändelt und gelacht.

Wohl hast du von den Männern allen
Gar süss mein kaltes Herz berührt,
Wohl hat dein Werben mir gefallen
Und deine Jugend mich verführt.

Auch trafst du mich zu einer Stunde,
Da sehnsuchtschwer mein Herz und bang,
Wo mir die Lieb’ aus deinem Munde
Verheissungsvoll entgegenklang.

Nun, wo ich meinen Sinn bezwungen
Und still und weise worden bin,
Mir kaum den Frieden hab’ errungen,
Nun trittst du fordernd vor mich hin.

Lass ab! Mich füllen andere Welten,
Nach Höherem steht jetzt mein Sinn –
Du magst mich kalt und grausam schelten,
Wo ehrlich ich und mutig bin.

Thekla Lingen, 1866 – 1931